Juden­gas­se” erhält neue Wür­di­gung

Vor 75 Jah­ren wurde Name geän­dert

75 Jahre ist es her, seit die “Juden­gas­se” in Blies­kas­tel ihren Namen ver­lo­ren hat. Den heu­ti­gen Namen “An der Stadt­mau­er” trägt sie seit 1955. Ein Zusatz­stra­ßen­schild erin­nert ab sofort an ver­gan­ge­ne Zei­ten und den Ein­fluss jüdi­scher Bür­ger auf die Stadt­ent­wick­lung.

Bei­geord­ne­te Bri­git­te Ada­mek-Rin­der­le und Mar­tin Dau­ber, beide sind Grü­nen-Mit­glie­der und im Blies­kas­te­ler Stadt­rat, in der Stra­ße An der Stadt­mau­er, wo ein Zusatz­schild dar­auf hin­weist, dass die Stra­ße ein­mal Juden­gas­se hieß.

In der Stra­ße “An der Stadt­mau­er” in Blies­kas­tel-Mitte wurde in der ver­gan­ge­nen Woche ein Hin­weis­schild ange­bracht, das die Besu­cher der Stadt dar­über infor­miert, dass diese Stra­ße ein­mal den Namen “Juden­gas­se” trug. Dies war auf Antrag von Bünd­nis 90/Die Grü­nen im Blies­kas­te­ler Orts­rat beschlos­sen wor­den. Wie Mar­tin Dau­ber von den Grü­nen mit­teilt, hatte die Stra­ße bis zur Rück­glie­de­rung des Saar­lan­des an das Deut­sche Reich 1935 den Namen Juden­gas­se.

Nazi-Pro­pa­gan­da

Nach der Rück­glie­de­rung sei sie von den Natio­nal­so­zia­lis­ten umbe­nannt wor­den. Dem natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Pro­pa­gan­da­blatt der “Rufer im Warndt” vom 16. März 1935 sei die dama­li­ge Argu­men­ta­ti­on zu ent­neh­men: “Wir haben hier (in Blies­kas­tel) noch eine Stra­ßen- bzw. eine Gas­sen­be­zeich­nung, die in einem natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Staat sicher nichts mehr zu suchen hat… Eine Bezeich­nung Juden­gas­se dürf­te nun die Mei­nung her­vor­ru­fen, als seien in die­ser Gasse nur Juden sess­haft, oder diese Gasse habe ihre Bezeich­nung zu Ehren der Juden erhal­ten. In der heu­ti­gen Zeit ist also eine sol­che Bezeich­nung dif­fa­ma­to­risch, nach­dem doch nur deut­sche Volks­ge­nos­sen in die­ser Gasse woh­nen… Für diese Gasse muss eine der­ar­ti­ge Bezeich­nung ver­schwin­den… Also ihr Genos­sen im Stadt­rat, bitte…” Die Juden­gas­se sei von den Natio­nal­so­zia­lis­ten in “Stra­ße am Schlan­gen­brun­nen” umbe­nannt wor­den.

Nach der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gewalt­herr­schaft ist die Stra­ße nach Anga­ben von Mar­tin Dau­ber, der sich mit der Geschich­te der Juden in Blies­kas­tel inten­siv beschäf­tigt hat und noch wei­ter beschäf­tigt, auf Anord­nung des ame­ri­ka­ni­schen Orts­kom­man­dan­ten wie­der in Juden­gas­se umbe­nannt wor­den.

Im Jahr 1955 habe die Gasse auf Beschluss des Stadt­ra­tes den Namen “An der Stadt­mau­er” erhal­ten. “Schon immer bis 1935 hieß diese Stra­ße offi­zi­ell Juden­gas­se. Hier war wohl bis zur Juden­eman­zi­pa­ti­on im Zuge der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on ein bevor­zug­tes jüdi­sches Wohn­quar­tier. In der Mitte des 19. Jahr­hun­derts stell­ten Juden fast zehn Pro­zent der Blies­kas­te­ler Bevöl­ke­rung, was über­durch­schnitt­lich war”, so Dau­ber. Jetzt sei es an der Zeit, sich an jüdi­sches Leben und den Bei­trag die­ser Bevöl­ke­rungs­grup­pe am Wer­den Blies­kas­tels zu erin­nern, hat­ten die Grü­nen in ihrem Antrag im Orts­rat für das Hin­weis­schild argu­men­tiert.

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